Andreas Freimüller, CEO, nowtec solutions AG · 15.07.2026

Nextcloud vs. Google Workspace für Non-Profits — was ist die bessere Wahl?

Für NGOs in der Schweiz, die mit sensiblen Spender-, Klienten- oder Patientendaten arbeiten, ist Nextcloud die bessere Wahl, wenn Hosting und Betrieb in einem Schweizer oder europäischen Rechenzentrum liegen und der Betrieb professionell betreut wird. Google Workspace bietet stärkere Echtzeit-Kollaboration und tiefere Einstiegshürden, ist aber wegen des US CLOUD Act und der Schweizer DSG-Schwächen für datensensible NPOs strukturell problematisch.

Kurze Einordnung

Die Frage taucht in fast jedem Erstgespräch mit NGO-Geschäftsleitungen auf. Beide Lösungen erfüllen auf den ersten Blick denselben Zweck: Dateien ablegen, teilen, gemeinsam bearbeiten, E-Mail, Kalender, Videokonferenzen. Der Unterschied liegt nicht in der Funktionsliste, sondern in drei strukturellen Fragen:

  1. Wo liegen die Daten physisch, und welchem Recht unterstehen sie?
  2. Wer kann auf Verlangen einer Behörde in die Daten einsehen — und welcher Behörde?
  3. Welche Abhängigkeit entsteht über die Jahre, und wie leicht ist der Ausstieg?

Diese drei Fragen entscheiden in den meisten Fällen, ob Nextcloud oder Google Workspace für eine NGO die bessere Wahl ist.

Vergleich nach Kriterien

Datensouveränität

Nextcloud ist eine Open-Source-Anwendung. Sie läuft auf einem Server eurer Wahl. Wenn das Hosting bei einem Schweizer Anbieter wie Infomaniak (Genf) oder einem europäischen Anbieter wie Hetzner (Deutschland, nicht US-Rechtsraum) liegt, bleiben die Daten physisch in Europa und unterstehen nicht dem US CLOUD Act.

Google Workspace läuft auf Servern von Google LLC, einer US-Gesellschaft. Google unterliegt dem US CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, 2018). Auch wenn die Daten physisch in einem europäischen Rechenzentrum liegen, kann das US-Justizministerium auf Verlangen Zugriff verlangen — ohne Wissen der betroffenen NGO und ohne Zustimmung einer Schweizer Behörde. Die Schweiz hat mit den USA kein bilaterales Datenschutzabkommen, das dem gleichkommt.

Kosten und Lizenzmodell

Nextcloud ist als Software lizenzkostenfrei (Open Source, AGPL). Was bezahlt wird, ist das Hosting (Rechenzentrum, Speicher, Backup) und der Betrieb (Setup, Updates, Monitoring, Support). Die laufenden Kosten hängen von Nutzerzahl, Speicherbedarf und Support-Umfang ab und werden bei Infomaniak oder einer vergleichbaren Schweizer Plattform gehostet. Dazu kommen initial Migrations- und Einrichtungsaufwand sowie optional laufender Support durch einen IT-Partner. Die konkrete Zahl für eure NGO beziffern wir im Erstgespräch.

Google Workspace hat ein Per-User-Lizenzmodell mit drei kommerziellen Stufen (Business Starter, Business Standard, Business Plus) sowie die kostenlose Stufe „Workspace Individual". Die kommerziellen Listenpreise pro Nutzer und Monat sind gestaffelt und werden von Google publiziert. Hinzu kommen Speicher-Upgrades und teilweise Zusatzkosten für Archivierung und E-Discovery.

Für NGOs gibt es über TechSoup und das Programm „Google for Nonprofits" vergünstigte oder kostenlose Lizenzen — diese sind jedoch an Bedingungen geknüpft und richten sich nach dem jeweils aktuellen Programm-Status.

Datenschutz (DSG und DSGVO)

Das Schweizer DSG (revidiert 2023, in Kraft seit 1. September 2023) verlangt eine dem Risiko angemessene Datensicherheit, eine Datenportabilität ohne Verzögerung und eine transparente Auflistung der Bearbeitung. Die DSGVO der EU gilt für Schweizer NGOs zusätzlich, wenn sie Personen in der EU betreuen oder Zahlungen aus der EU erhalten.

Nextcloud erlaubt eine vollständige Datenportabilität ohne proprietäre Formate, da Dokumente als Standarddateien (PDF, ODF, DOCX) abgelegt werden. Mit OnlyOffice oder Collabora Online lässt sich kollaborativ arbeiten, ohne dass Daten an Dritte fliessen. Die Datenhoheit bleibt strukturell bei der NGO.

Google Workspace ist DSG-konform konfigurierbar, sofern ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV/DPA) und EU-Standardvertragsklauseln vorliegen. Eigene Formate in Docs und Sheets sind exportierbar, aber nicht nativ interoperabel. Das strukturelle Restrisiko bleibt: Google LLC unterliegt dem US CLOUD Act.

Funktionsumfang

Bereich Nextcloud (mit OnlyOffice oder Collabora) Google Workspace
Dateiablage und Teilen Ja, serverseitige Verschlüsselung; Ende-zu-Ende je nach App-Bereich optional Ja, mit clientseitiger Verschlüsselung nur in höheren Tarifen
Echtzeit-Kollaboration an Dokumenten Ja, mit OnlyOffice oder Collabora; Abstrichen bei Latenz und Feature-Tiefe Ja, ausgereift und Marktführer in diesem Bereich
E-Mail und Kalender Ja (Nextcloud Mail, Groupware) oder via separates Mail-Hosting (z. B. Infomaniak Mail) Ja, vollständig integriert
Videokonferenzen Nextcloud Talk (mit eigenem Server) Google Meet
Mobile Apps für iOS/Android Vorhanden (iOS und Android) Poliert, hoher Funktionsumfang
Integrationen / API Sehr offen, REST-API, Webhooks, OCS Sehr breit, Google-Ökosystem und Marketplace
Admin-Oberfläche Technisch, erfordert Einarbeitung oder Partner Ausgereift, gut delegierbar

Migration

Eine Migration von Google Workspace zu Nextcloud ist technisch machbar, aber kein Wochenend-Projekt. E-Mail, Kalender und Kontakte lassen sich über Standards (IMAP, CalDAV, CardDAV) exportieren und importieren. Google Docs, Sheets und Slides müssen in offene Formate konvertiert werden — Formatierung kann verloren gehen. Der Aufwand einer Migration hängt von Datenmenge, Nutzerzahl und der Anzahl der zu konvertierenden Google-Docs ab; den konkreten Zeitrahmen legen wir nach einer kurzen Bestandsaufnahme fest — inklusive Schulung und Pilotphase.

Eine Migration in umgekehrter Richtung (Nextcloud zu Google Workspace) ist technisch einfacher, kostet aber die zuvor aufgebaute Datensouveränität.

Support

Google bietet Support je nach Tarif (Standard-Support im Business-Tarif inklusive, erweiterter Support gegen Aufpreis, 24/7-Support in höheren Stufen). Der Support ist schnell, aber englischsprachig und nicht NGO-spezifisch.

Nextcloud ist Community-getragen (Foren, Dokumentation, deutschsprachige Community). Für den produktiven Einsatz im NGO-Kontext braucht es einen Schweizer IT-Partner, der Setup, Updates, Backups und 1st-Level-Support übernimmt. Das ist kein Nachteil, sondern ein Strukturmerkmal — es ist die gleiche Beziehung wie zwischen einem KMU und seinem IT-Dienstleister.

Vergleichstabelle auf einen Blick

Kriterium Nextcloud (Schweizer oder EU-Hosting) Google Workspace
Hosting-Ort Schweiz oder EU Weltweit, Google-eigene Infrastruktur
Untersteht US CLOUD Act Nein Ja
Lizenzkosten Software 0 CHF (Open Source) Pro Nutzer:in, gestaffelt
Hosting-Kosten Ja, bei Provider In Lizenz enthalten
Echtzeit-Kollaboration Gut (mit OnlyOffice oder Collabora) Sehr gut
Datenportabilität Vollständig, offene Formate Möglich, mit Formatverlusten
DSG-Konformität (CH 2023) Gut umsetzbar Erfüllt, mit CLOUD-Act-Restrisiko
Admin-Komplexität Höher (Eigenadmins oder Partner nötig) Niedriger
Einstiegshürde Mittel bis hoch Niedrig
Vendor Lock-in Gering Hoch
Geeignet für sensible Spender- oder Klientendaten Ja, empfohlen Mit Vorbehalt

Für wen passt was

Nextcloud auf Schweizer Hosting passt besser, wenn:

  • die NGO mit sensiblen Daten arbeitet (Spenderdaten, Klientendaten, Patientendaten, Whistleblower-Fälle)
  • Statuten oder Stiftungsurkunde Datensouveränität oder Schweizer Hosting verlangen
  • die Stiftung einen öffentlichen Auftrag hat und gegenüber Aufsichtsbehörden (ZEWO, Stiftungsaufsicht) dokumentieren muss, wo die Daten liegen
  • das Team bereit ist, einmalig in ein sauberes Setup zu investieren und einen IT-Partner an der Seite zu haben

Google Workspace passt besser, wenn:

  • die NGO international arbeitet und das Google-Ökosystem stark nutzt (z. B. Google Ads Grants, YouTube, grosse Google-Workspace-Teams)
  • die Echtzeit-Kollaboration an Dokumenten täglich der Kernprozess ist und niemand Zeit für eine Einarbeitung in OnlyOffice oder Collabora hat
  • die NGO keinen IT-Partner anstellen will und mit Self-Service zurechtkommt
  • die Daten keine erhöhte Sensibilität aufweisen (reine interne Kommunikation, keine Klientendaten)

In der Praxis gibt es auch Mischformen: Viele NGO-Teams betreiben Nextcloud für Dateien, E-Mail und Kalender und nutzen für bestimmte Workflows (etwa die gemeinsame Bearbeitung grosser Dokumente) weiterhin Google Docs. Das ist eine bewusste Architekturentscheidung und kein fauler Kompromiss.

Fazit

Die Frage „Nextcloud oder Google Workspace" ist keine Glaubensfrage, sondern eine Risiko- und Architekturentscheidung. Für die meisten NGOs in der Deutschschweiz mit Spender- oder Klientendaten, Stiftungsaufsicht oder ZEWO-Anforderungen spricht das Argument der Datensouveränität klar für Nextcloud auf Schweizer Hosting — vorausgesetzt, der Betrieb ist professionell aufgesetzt. Google Workspace bleibt die erste Wahl, wenn Echtzeit-Kollaboration wichtiger ist als Datenhoheit und das Datenrisiko niedrig eingeschätzt wird.

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FAQ — Häufige Fragen

Was kostet Nextcloud im Vergleich zu Google Workspace?

Nextcloud ist als Software kostenlos (Open Source). Bezahlt werden Hosting (in der Schweiz typischerweise bei Infomaniak) und Betrieb durch einen IT-Partner. Google Workspace hat ein Per-User-Lizenzmodell mit gestaffelten Tarifen. Die monatlichen Gesamtkosten hängen vom gewählten Tarif, der Nutzeranzahl und vom Hosting-Modell ab; die konkrete Zahl für eure NGO ermitteln wir im Erstgespräch.

Ist Google Workspace DSG-konform für Schweizer NGOs?

Google Workspace kann DSG-konform betrieben werden, sofern ein Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV/DPA) mit Google abgeschlossen wird und die Datenübermittlung in Drittländer über EU-Standardvertragsklauseln abgesichert ist. Das strukturelle Restrisiko bleibt: Google LLC unterliegt dem US CLOUD Act, das revidierte Schweizer DSG (seit 1. September 2023) gewährt keine gleichwertige Schutzwirkung. Für NGOs mit erhöhter Sensibilität (Spender- oder Klientendaten) ist dieses Restrisiko oft nicht tragbar.

Kann man mit Nextcloud genauso zusammenarbeiten wie mit Google Docs?

Mit OnlyOffice oder Collabora Online als integrierte Office-Suite unterstützt Nextcloud Echtzeit-Bearbeitung, Kommentare, Versionierung und die gleichzeitige Bearbeitung durch mehrere Personen. Die Bedienung kommt an Google Docs heran, ist aber bei sehr grossen Dokumenten, vielen parallelen Nutzer:innen und spezifischen Features (komplexe Diagramme, Add-ons) noch nicht ganz auf dem Niveau von Google Workspace. Für die meisten NGO-Workflows (Protokolle, Konzepte, Berichte, gemeinsame Tabellen) reicht es aus.

Wie lange dauert eine Migration von Google Workspace zu Nextcloud?

Eine vollständige Migration von E-Mail, Kalender, Kontakten und Dateien wird nach einer kurzen Bestandsaufnahme konkret beziffert — inklusive Schulung und Pilotphase. Entscheidend sind die Datenmenge, die Anzahl der Google-Docs (Konvertierung in offene Formate) und die Bereitschaft des Teams, sich an neue Oberflächen zu gewöhnen. Eine Pilotphase mit einem Teilteam vor der Vollmigration verringert das Risiko deutlich.

Ist Nextcloud sicher genug für Spenderdaten?

Ja, sofern Hosting, Härtung, Updates und Backups professionell betreut werden. Nextcloud unterstützt serverseitige Verschlüsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung und granulare Freigaben. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist verfügbar, aber nicht durchgängig in allen App-Teilen. Das Sicherheitsniveau hängt weniger von Nextcloud selbst ab als von der Konfiguration, dem Patch-Management und dem Betrieb durch einen qualifizierten IT-Partner.

Welche Schweizer Hosting-Anbieter eignen sich für Nextcloud?

Infomaniak (Genf) ist der bekannteste Schweizer Anbieter für Managed Nextcloud. nowtec solutions AG betreibt auf Wunsch eigene Nextcloud-Instanzen auf Schweizer oder EU-Infrastruktur (Infomaniak oder Hetzner in Deutschland, nicht US-Rechtsraum). Beide Optionen sind nicht dem US CLOUD Act unterworfen.


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